Der schwedische Traum beginnt… im Kofferraum
Du kennst diese Momente, in denen Familien sagen: „Dieses Jahr machen wir mal etwas anderes.“ Genau so begann unsere Reise. Statt wie üblich an die Ostsee oder – Gott bewahre – ins Allgäu zu fahren, verkündete Mama beim Frühstück feierlich: „Wir werden Malmö erleben!“
Papa, der noch halb im Marmeladentoast hing, nickte nur schwach. Meine Schwester Nele googelte im Hintergrund bereits „Malmö + Starbucks + WLAN“, während ich überlegte, ob es in Schweden wirklich Elche gibt oder das nur PR ist.
Am Abreisetag war unser Auto randvoll gepackt, unter anderem mit drei Tupperdosen voller Frikadellen, 17 Paar Socken (alle von Papa), einer aufblasbaren Schwimminsel in Flamingoform und Omas Reisehängematte. Für den Fall der Fälle.
Zwischen Elchsichtungen und Grenzkontrollen
„Das Navi sagt: Nur zehn Stunden Fahrt“, rief Papa fröhlich. Nach exakt 43 Minuten standen wir am ersten Stauende hinter Lübeck. Mama verlor langsam die Geduld, Nele ihr Handysignal und ich das Gefühl in den Beinen. Der Flamingo blockierte nämlich die Beinfreiheit im ganzen Rücksitzbereich.
Nach diversen Umwegen, einer fast geglückten Kollision mit einem Wohnmobil aus Dänemark und einer surrealen Pinkelpause auf einem Rastplatz, der ausschließlich aus einem Mülleimer und einem betrunkenen Igel bestand, erreichten wir endlich Malmö. Oder wie Mama es nannte: „Die Stadt der skandinavischen Möglichkeiten.“
Malmö erleben – aber bitte mit Pannen
Unser erstes Erlebnis in Malmö war das Parkhaus, das sich weigerte, unser Auto wieder freizugeben. Es sprach nur Schwedisch und hatte offenbar Gefühle. Während Papa in den verzweifelten Dialog mit dem Parkautomaten trat („Hur du öppnar? Auto raus, bitte!“), entdeckte Nele eine Hipster-Konditorei mit veganem Kardamom-Kuchen. Ich fand das örtliche Technikmuseum – leider hatte es Montags geschlossen. Es war Dienstag. Klassischer Urlaub.
Mama beschloss, dass wir „richtig Malmö erleben“ sollten und buchte spontan eine Stadtführung auf Schwedisch. Der Guide sprach so schnell, dass wir nur verstanden: „Turning Torso… IKEA… Fika!“ Trotzdem folgten wir brav durch die Altstadt, verloren einmal Nele in einem Second-Hand-Laden und Papa in einem Gespräch über Thermofenster mit einem schwedischen Rentner, der uns hartnäckig für Einheimische hielt.
Der Tag, an dem Papa das Fahrrad erfand
Am dritten Tag war Familienfahrradtour angesagt. „So erlebt man Malmö hautnah!“, rief Mama euphorisch. Leider unterschätzte sie, dass Papa seit 1989 kein Fahrrad mehr angefasst hatte. Nachdem er bereits beim Aufsteigen auf einem Pfosten landete und der örtliche Verkehrspolizist unsere Gruppe aus Sicherheitsgründen mit Warnwesten ausstattete, fuhren wir los. Oder sagen wir: rollten, taumelten, kollidierten.
Wir fuhren an Kanälen entlang, durch malerische Parks und auch einmal durch ein Hochzeitsshooting (die Braut hat’s gut überlebt). In einem besonders engen Abschnitt landete Papa in einem Gebüsch, Mama in einer Picknickdecke zweier Studenten und ich beinahe im Wasser. Nele filmte alles für TikTok. Wir gingen viral. Immerhin.
Das Happy End zwischen Hering und Herzklopfen
Nach vier chaotischen Tagen, drei Fast-Katastrophen und einem eher unbeabsichtigten Besuch in einem alternativen Kunstraum („Bitte nicht anfassen – auch nicht mit der Jacke!“), saßen wir am letzten Abend am Hafen. Mama hatte spontan ein Fischrestaurant entdeckt – mit echtem Hering und Blick aufs Meer.
Während wir in der Abendsonne saßen und der Flamingo sanft im Wind wippte (Nele hatte ihn als Stuhl benutzt), mussten wir alle lachen. Malmö erleben, das hatten wir. Intensiv. Ein bisschen zu intensiv vielleicht.
„Nächstes Jahr“, sagte Papa, „fahren wir einfach nach Brandenburg.“
„Oder wieder nach Malmö!“, rief Mama und alle stöhnten gleichzeitig.
Und weißt Du was? Ich glaube, sie meint es ernst.