Ein Urlaub mit Hindernissen
Es war Barbara, meine Frau, die die brillante Idee hatte, dieses Jahr nach Örebro län in Schweden zu reisen. „Es ist wunderschön dort!“, rief sie begeistert, während sie mir den Laptop unter die Nase hielt, auf dem Bilder von malerischen Seen, dichten Wäldern und einladenden Wanderwegen zu sehen waren. „Dort können wir endlich mal so richtig entspannen!“
Entspannen, dachte ich. In der Natur. Ohne jegliche Annehmlichkeiten der Zivilisation, wie Fernsehen oder funktionierendes WLAN. Barbara hatte diesen seltsamen Hang zu aktiven Erholungen – eine Kombination, die für mich so viel Entspannung bot wie ein Marathonlauf nach einem schweren Mittagessen. Aber wie es der Ehepartner-Mechanismus so will, nickte ich tapfer und sagte: „Natürlich, Liebling. Das klingt… wunderbar.“
Und so fanden wir uns wenige Wochen später auf dem Weg nach Örebro län, beladen mit Wanderschuhen, Campingausrüstung und einer optimistischen Vorstellung davon, was man in der Wildnis so alles erleben könnte. Unsere Unterkunft? Ein Ferienhäuschen „mitten im Herzen der Natur“, wie es auf der Website so einladend beschrieben war. „Rustikal“ lautete das Stichwort – ein Euphemismus, den Barbara stets mit strahlenden Augen zitierte und der mir schlaflose Nächte bereitete. Für mich bedeutet „rustikal“: keine Kaffeemaschine und eventuell ein Plumpsklo.
„Wir werden es lieben“, sagte Barbara fröhlich, als wir die endlosen Wälder von Örebro län durchfuhren. „Wir können wandern, schwimmen, und vielleicht sehen wir sogar Elche!“ Elche? Ich dachte, Elche seien die freundlichen Kreaturen, die man nur in Tierdokumentationen sah. Ich hatte nicht die Absicht, einen von ihnen in freier Wildbahn zu treffen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit auf staubigen Schotterstraßen erreichten wir unser Ziel: das besagte rustikale Häuschen. „Es sieht genauso aus wie auf den Fotos“, sagte Barbara entzückt. „Nur… älter.“ Das war eine milde Untertreibung. Die Hütte wirkte, als hätte sie die letzten hundert Jahre ohne jegliche Wartung überstanden. Die Fenster waren schmutzig, die Türen knarrten, und die Möbel schienen von einem Antiquitätenhändler direkt aus der „Vor-Industrialisierung“-Kategorie zu stammen.
„Das ist echte Natur“, sagte Barbara begeistert, als wir das Gepäck ausluden. „Hier können wir endlich abschalten.“
Abschalten, ja. Besonders mein Handy, das in dieser Abgeschiedenheit keinen Empfang hatte. Damit war der Urlaub in Örebro län auch offiziell: Kein Netz, keine Nachrichten, nur ich, meine Frau und die wildromantische Stille, die sich anfühlte wie das Warten auf das nächste Unwetter.
Am ersten Abend beschlossen wir, die Umgebung zu erkunden. Barbara führte den Marsch durch den Wald an, während ich keuchend hinterher trottete und meine Wanderstiefel – nagelneu und schon jetzt die Ursache für aufkeimende Blasen – verfluchte. „Es ist wunderschön hier!“, rief Barbara, während sie enthusiastisch auf die Bäume und das Gebüsch deutete, als wäre sie eine Naturführerin auf LSD.
Nach etwa einer Stunde begann ich zu zweifeln, ob wir wirklich den richtigen Weg eingeschlagen hatten. Die Bäume sahen alle gleich aus, und ich hätte schwören können, dass wir bereits dreimal an demselben Felsen vorbeigekommen waren. „Liebling“, fragte ich vorsichtig, „bist du sicher, dass wir noch auf dem richtigen Weg sind?“
Barbara winkte ab. „Natürlich! Es gibt hier keine falschen Wege, nur Umwege.“ Das war natürlich kein Trost, als wir nach weiteren drei Stunden immer noch mitten im Wald standen – durstig, hungrig und mittlerweile so verloren, dass sogar die Mücken anfingen, uns aus Mitleid zu verschonen.
Schließlich beschlossen wir, aufzugeben und uns zurückzuschlagen. Der Weg zurück zur Hütte dauerte gefühlte Ewigkeiten, aber als wir sie endlich wiederfanden, war ich erleichtert. Barbara hingegen war optimistisch wie eh und je. „Das war doch ein Abenteuer!“, sagte sie und zündete den Campingkocher an, um etwas zu essen zuzubereiten.
Am nächsten Morgen stand Barbara mit einer neuen Idee auf: „Heute fahren wir in die Stadt – Örebro! Die haben dort eine wunderschöne Burg.“ Ich war zu erschöpft, um zu widersprechen, und so fuhren wir nach Örebro, in der Hoffnung, dass ein wenig Zivilisation uns auf andere Gedanken bringen würde.
Die Burg war tatsächlich beeindruckend, und Barbara posierte glücklich für Fotos, während ich versuchte, in einem Café ein halbwegs trinkbares Heißgetränk zu finden. Doch schon bald entschied Barbara, dass wir die nahegelegenen Seen von Örebro län erkunden müssten. „Lass uns ein Boot mieten!“, schlug sie enthusiastisch vor. „Das wird sicher lustig!“
Ich sah sie an, als hätte sie den Verstand verloren. „Barbara“, begann ich vorsichtig, „wir haben keine Ahnung vom Rudern.“
„Ach was“, erwiderte sie lächelnd. „Wie schwer kann das schon sein?“
Wie sich herausstellte: sehr schwer.
Wir mieteten ein kleines Ruderboot und setzten uns auf den See hinaus. Es begann ruhig, fast idyllisch. Doch schon nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass Rudern tatsächlich eine Kunst für sich ist – und eine Kunst, die weder Barbara noch ich beherrschten. Wir drehten uns im Kreis, stießen mit einem Ast zusammen und landeten schließlich in einem Schilffeld, das eher wie eine grüne Festung wirkte.
„Das war… nett“, sagte ich schließlich und sah zu, wie ein Schwan uns überheblich ignorierte, als er in unsere Nähe schwamm.
Barbara lachte. „Du bist einfach kein Naturbursche.“
Das stimmte. Das stimmte sogar sehr. Aber in diesem Moment, eingeklemmt zwischen dem Schilf und der untergehenden Sonne über dem See von Örebro län, erkannte ich etwas: Dieser Urlaub war nicht perfekt, weit davon entfernt. Doch irgendwie, in all dem Chaos und den Missgeschicken, lag eine gewisse Schönheit. Es war eine Erinnerung, die wir für immer teilen würden – vielleicht nicht die erträumte, aber definitiv eine, die wir nie vergessen würden.
Als wir schließlich zurück zur Hütte paddelten – oder besser gesagt, uns irgendwie zurückschlängelten –, konnte ich nicht anders, als zu lächeln. Barbara blickte mich an und sagte: „Das war doch ein Abenteuer, oder?“
Ich nickte, denn trotz allem: Ja, es war ein Abenteuer. Und während ich vielleicht kein Naturbursche war, wusste ich eines sicher – wenn ich jemals wieder in den Urlaub nach Örebro län fahren würde, dann nur mit einer klaren Wegbeschreibung und vielleicht auch einem Motorboot.